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Der rationale Grund zur Haarpflege, die man schon bei allen Primitiven antrifft, ist vielleicht die Absicht, die Haare von den Augen fernzuhalten oder überhaupt als Hindernis bei Handlungen auszuschalten. Ihre bestimmten Regeln und Zeremonien aber zeigen deutlich, daß sie außerdem auch irrationale Gründe hat. Diese untersucht der Autor zunächst durch das Studium klinischen, besonders Traum-Materiales, das zunächst die Verschiebung sexuellen Interesses vom Schamhaar auf das Kopfhaar, sodann die genitalsymbolische Bedeutung des Kopfhaares überhaupt beweist; daß Frauen längere Haartracht erlaubt wird als Männern, glaubt der Autor durch die Eifersucht der Väter auf die wachsenden Glieder der Söhne erklären zu können; Haarschneiden und Rasieren habe unbewußt Kastrations-bedeutung. (Menninger hat unlängst darauf hingewiesen, daß die „konventionellen Selbstbeschädigungen“ gerade an den physiologisch nachwachsenden Organen, Haaren und Nägeln, erfolgen.) In verschiedenen Zusammenhängen von Ödipus- und anderen infantilen Sexualphantasien und -konflikten erscheint das Haar als Verschiebungsersatz für das Genitale. Sodann versucht Berg die gleiche unbewußte Bedeutung des Haares auch in der üblichen Haarpflege nachzuweisen. Besonders Konflikte zwischen Exhibitions-drang und Kastrationsangst, aber auch andere prägenitale, etwa anale, Triebkonflikte können in Haargewohnheiten ihren Ausdruck finden, was der Autor durch Untersuchung des jeweiligen Anteils von Ich, Uber-Ich und Es an diesen Gewohnheiten aufweist. Es seien die biologischen Eigenschaften der menschlichen Haarbedeckung, die sie besonders geeignet zum Verschiebungsersatz für sexuelle Tendenzen machen. Berg schätzt die gesellschaftliche Bedeutung dieses Verschiebungsersatzes außerordentlich hoch ein, da er schreibt: „Wir haben keine Subinzisionszeremonien, erreichen aber ähnliche Resultate mit unseren Sitten des Rasierens und Haarschneidens“.
O. Fenichel (Prag)