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Die Feier von Christi Geburt in der Zeit der Wintersonnenwende wurde erst im vierten Jahrhundert von den Kirchenbehörden eingeführt, und zwar in Einklang mit einer dringenden Volksforderung nach einem solchen Fest. Dieses Verlangen beruhte auf alten Traditionen von Wintersonnwendfeiern, die auf den Sonnengott- und damit Kaiser-Kult zurückgehen. (Die letzte war das römische Fest der Kaienden des Januar gewesen.) Der unbewußte Sinn dieser Feste ist der Ersatz einer „alten“ Sonne, eines „alten“ Jahres, durch „neue“, der Ersatz des Vaters durch einen siegreichen Sohn.
Die Atmosphäre, aus der heraus die Einführung des Weihnachtsfestes zu verstehen ist, ist der große arianische Kirchenstreit, der um die Gottgleichheit oder -ähnlichkeit Christi ging, also ein Streit um den Grad, in dem die Ambivalenz dem Vatergott gegenüber Ausdruck finden sollte. Die Einführung des Festes bedeutet eine Steigerung der Ambivalenz, eine Erhöhung der Bedeutung des Sohnes auf Kosten des Vaters, daher eine Befriedigung der Volksforderung; denn die sonst unerklärliche affektive Beteiligung der Massen am theoretisch scheinenden Kirchenstreit erklärt sich aus dem unbewußten Sinn dieses Streites und der Identifizierung jedes einzelnen Christen mit Jesus Christus. Die Feier von Christi Geburt entspricht einer Bestätigung der unbewußten Phantasie, daß der Sohn dem Vater gleich sei.
Jekels schreibt: „Ich brauche viel weniger zu zögern, wenn ich mutmaße, daß hier in Form einer mystischen Religion ein Abfluß dargeboten wurde für Affekte, die ihre Quelle in der Dringlichkeit einer sozialen Situation hatten, in der die Spannungen hoch) und die Gegensätze scharf waren.“ Es ist schade, daß der Autor nicht dazu kam, dies näher auszuführen.
O. Fenichel (Prag)