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In den letztvergangenen Jahren habe ich selbst zehn alkoholsüchtige Männer behandelt und gemeinsam mit anderen Anstaltsärzten der Klinik dreißig weitere Fälle von Alkoholsucht bei Männern beobachtet. Von den zehn selbst behandelten
Fällen wurden sieben einer Analyse unterzogen, doch ist keiner dieser Fälle bisher abgeschlossen. Insgesamt wurden für diese Behandlungsmethode 1000 Behandlungsstunden aufgewendet.
Auf Grund dieser Studien habe ich hier eine vorläufige Formulierung der Ätiologie, der seelischen Grundlagen und spezieller therapeutischer Vorschläge hinsichtlich der Alkoholsüchtigkeit versucht.
Die Alkoholsüchtigkeit ist mehr als ein Symptom anzusehen denn als eine Krankheit. Wenn wir sie hier dennoch als besondere diagnostische Kategorie festhalten, so geschieht dies lediglich aus Bequemlichkeitsgründen, um jene Fälle zu bezeichnen, bei welchen unmäßigies Trinken das augenfällig zur Schau getragene Symptom darstellt. Trotz der Überzeugung der meisten Alkoholiker, daß sie ganz normal wären, wenn sie nur aufhören könnten zu trinken, wird man doch niemals einen Alkoholiker finden, der psychisch gesund ist. Immer liegt eine Störung der Persönlichkeit zugrunde, die in sichtlichen neurotischen Charakterzügen, Gefühlsunreife oder Infantilismus und oft auch in anderen neurotischen Symptomen in Erscheinung tritt. In vielen Fällen — wenn nicht in allen — finden sich nur schwach verhüllt Spuren psychotischen Charakters — besonders paranoide und schizoide Züge. Im Symptom des unmäßigen Trinkens erscheint sowohl die regressive Handlung auf Grund unbewußt libidinöser und sadistischer Triebe als auch der progressive Versuch einer Lösung oder Heilung des Konflikts durch Einverleibung einer pharmakologisch wirksamen Substanz, welche demnach zugleich verwendet wird, um verbotene Ge