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Die Tabus und andere Bestimmungen, denen Witwen in verschiedenen Kulturkreisen unterworfen sind, weichen weit voneinander ab und sind nicht leicht unter einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Witwen erscheinen im allgemeinen als sexuell besonders anziehend, aber gefährlich, nämlich in (bedrohender, manchmal aber auch beschützender) Nähe des Geistes des verstorbenen Gatten. Vergleiche der Erklärungen der Ethnologen mit den Ausführungen Freuds in „Totem und Tabu“ und mit Analysengeschichten moderner Neurotiker bestätigten, daß die Witwe vor allem die Mutter (nach der Realisierung der gegen den Vater gerichteten Todeswünsche) bedeutet, während die Witwenzeremonien Unterdrückung und Dennoch-Durchbruch inzestuöser Wünsche zum Inhalt haben.
O. Fenichel (Prag)