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Charakterstörungen, die durch Beibehaltung oder Wiederaufnahme archaischer Entwicklungsstufen, bzw. Funktionsweisen des Ichs gekennzeichnet sind, können nicht mit den Kriterien der Libidostörungen, die für Übertragungsneurosen ausreichend sind, verstanden werden. Hendrick setzt auseinander, daß es sich bei ihnen regelmäßig um die Insuffizienz bestimmter Identifizierungen handelt, mit denen in den präödipalen Entwicklungsphasen Ängste, die primitiven Zerstörungsimpulsen entsprechen, überwunden werden. Es gibt nach ihm verschiedene Gruppen solcher präödipaler Identifizier rungen, deren jede bestimmte Funktionen in der Ich-Entwicklung erfüllt, und jeweils den Phantasien und den speziellen Organen zugeordnet ist, die während dieser Entwicklungsphase dominieren. Dysfunktionen solcher Identifizierungen lassen infantile Angstsituationen (präödipale Vergeltungsängste) ungelöst und stören in jeweils spezifischer Weise alle späteren Objektbeziehungen. Die Abwehrarten, mit denen die Patienten ihren ungelösten infantilen Angstsituationen zu begegnen suchen, sind archaische, noch nicht nach dem Verdrängungstypus gebaute, wie einfache Hemmung, Projektion, Flucht vor den realen Objekten zu geheimen Spielen und Phantasien. — Alle diese Lehrmeinungen erscheinen als das Fazit aus der ausführlichen klinischen Untersuchung zweier analytischer Krankengeschichten von ichdefekten Patienten (einem passiv-femininen Mann und einer schizoiden Frau) unter eingehender Diskussion ihrer Probleme. Am bemerkens-wertesten in dieser Diskussion, die der analytischen Charakterlehre viele Anregungen bringt, ist der Versuch zu einem Schema, das die dynamischen Zusammenhänge zwischen Triebentwicklung, Ich-Entwicklung und normalen und pathologischen Ich-Funktionen des Erwachsenen übersichtlich darstellen soll.
O. Fenichel (Prag)