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Im strengen Sinne dieser Benennung versteht man unter dem „induzierten Irresein“ die Übertragung der wahnhaften Ideen eines Geisteskranken auf eine bis dahin psychisch gesunde Person, die das Wahnsystem des Kranken aufnimmt und es zum eigenen Bewußtseinsinhalt verarbeitet.
Was außer dispositionellen Momenten, engem Zusammenleben und allen anderen Faktoren dieser Art, unter welchen bekannterweise das „induzierte Irresein“ als paranoisches Krankheitsbild entsteht, die Psychogenese der Induktion ausmacht, bleibt uns derzeit noch vollkommen unklar. Die tieferen psychischen Mechanismen, aus denen die vollkommene psychische Abhängigkeit und Identifizierung mit dem Primärerkrankten (bis zur Übernahme seiner Wahnideen) resultiert, müßten noch in jedem Falle einer Analyse unterzogen werden.
Neben den Krankheitsprozessen, die dem klinischen Begriff des „induzierten Irreseins“ entsprechen, kennen wir eine große Anzahl verschiedener Formen der psychischen Affektion, von der Ansteckung mit Gemütsstimmungen und Affekten schon unter normalen Verhältnissen über pathologische Stimmungsanomalien, oberflächliche, korrigierbare Aneignung krankhafter Ideen bis zu schwersten psychotischen Krankheitsbildern.
Außer der individuellen Übernahme psychischer Inhalte der einen Person durch eine andere kennen wir diesen Prozeß auch als Massenerscheinung, wo ganze Gruppen psychisch Gesunder durch geisteskranke Weltverbesserer, Paranoiker usw. hingerissen werden. Auch große historische Vorgänge und religiöse Bewegungen, soziale Revolutionen etc. haben neben ihren Realitätsgründen auch psychische Determinanten, die dem pathologischen Prozeß des induzierten Irreseins sehr nahe kommen.
Ich habe meine heutige Aufgabe rein auf die klinische Beobachtung eingeschränkt und aus einer größeren Zahl von Fällen einige ausgewählt, an denen ich insbesondere Unterschiede zwischen hysterischen und psychotischen Formen des „induzierten Irreseins“ zu beleuchten versuche.
I. Im Jahre 1918 habe ich aus der Wiener psychiat