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Psychotherapie und Objektivität hatten ursprünglich sehr wenig Beziehung zueinander. Im Vergleich zu anderen ärztlichen Methoden ist die Psychotherapie das letzte Gebiet, das sich von der primitiven Heilkunst losgelöst hat. Die psychischen Einflüsse, die in der primitiven Medizin eine so große Rolle spielen, wurden dort als übermenschliche angesehen. Der Priester, der ein Orakel aussprach oder die Hand auf den kranken Körperteil auflegte, vermittelte damit eine göttliche Einwirkung. Die Auffassung, daß man durch Magie oder durch göttliche Einwirkung, die von einer heiligen Person oder von einem heiligen Ort ausgeht, heilen kann, hat auch in unseren Tagen ihre Anziehung nicht ganz verloren. Für den Psychotherapeuten ist aber dieser Gesichtspunkt nicht wichtig, weil die äußere Erscheinung der meisten unter uns nicht heilig oder magisch genug ist, um auf unsere Patienten in dieser Art Eindruck zu machen. Wir könnten sagen, daß wir aus der Not eine Tugend machen, wenn wir solche einfache, unwissenschaftliche Methoden ablehnen. Auch hat das Publikum sich insoweit geändert, daß viele Menschen bezweifeln, ob die göttliche Wirkung in unserer Zeit ebenso mächtig ist, wie es uns aus früheren Zeiten überliefert wurde. Und der magische Einfluß innerhalb der Medizin ist insoweit verdächtig geworden, als jeder seit dem letzten Jahrhundert weiß, daß er „nur auf Suggestion“ beruht; in der populären Auffassung bedeutet aber das Wort Suggestion eine geschickte Art, die Leute zu betrügen, indem man ihnen imponiert. Kein Wunder, daß das magische Auftreten der suggestiven Therapie für viele jeden Reiz verloren hat. Der übermenschliche Einfluß wurde als allzumenschlich entlarvt und viele vernünftige Ärzte zogen es vor, auf die einfachen Methoden der Sympathie und des gesunden Menschenverstandes zurückzugehen. Wieder andere gehen den neurotischen Patienten einfach aus dem Weg.
Von dieser Auffassung aus betrachtet, bedeutet die Psychoanalyse einen großen Sprung. Freud hat die Psychotherapie