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Es argwöhnt der nicht gleichgeschaltete Leser bei einem Buche, das „nicht um der Vererbungslehre willen, sondern zum Nutzen unseres deutschen Volkes“ und zudem „am Tage des Bekenntnisses, 29. im Lenzing 1936“ erscheint, nicht Wissenschaft, sondern Dogma und — ist angenehm enttäuscht! Denn es liegt mit dieser Arbeit von Böhm ein vorzügliches kleines Lehrbuch vor, das außerdem mittels Schlagwortverzeichnis das Aufsuchen interessierender Einzelheiten leicht gestattet. Abgesehen von des kürzlich verstorbenen Erwin Baur „Einführung in die experimentelle Vererbungslehre“ habe ich kein Erblichkeitslehrbuch mit mehr Vergnügen und Gewinn gelesen als dieses kleine Buch von Böhm. Er setzt nämlich gerade da ein, „wo die meisten dieser kurz gefaßten einführenden Schriften — berechtigterweise — aufhören, nämlich“ (vom Ref. hervorgehoben) „bei der Entwirrung des vielfach verschlungenen Fadens, der sich von der Erbanlage zum Merkmal spinnt. Die Erscheinungen der Manifestations-schwankungen, der Expressivität, der Pleiotropie, auch der multiplen Allelie usw., deren Schilderung im wissenschaftlichen Schrifttum verstreut und daher nicht für jedermann so leicht zugänglich ist“, hat er zusammenfassend dargestellt. Wichtig für den Analytiker ist, daß an erster Stelle die Umweltprägungen ihre Würdigung finden, wobei besonders die Kenntnis der sogenannten Modifikation oder Paravariation für den Charakterforscher, der nach den konstitutionellen Eigentümlichkeiten fahndet, von grundlegender Bedeutung ist. Vergeblich hatte ich mich bisher bemüht, eine zusammenfassende Orientierung über die Zwillingsforschung zu finden. Hier ist sie in Kürze und doch präzis. Den Unterschied zwischen Penetranz und Expressivität eines Erbmerkmals zu erfahren, ist dem Erblichkeitslaien ebenfalls wichtig. Die Verständlichkeit der keineswegs leichten Materie wird durch das didaktische Geschick des Autors und durch reichliche Skizzenbeigabe sehr gehoben. Die Schwierigkeiten der menschlichen Erblichkeitsforschung erh