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Der Autor versucht, einen neuen Partialtrieb, den er den urogenitalen nennt, einzuführen. Er beruft sich auf die embryologische Tatsache, daß der männlichen Harnröhre
beim Weibe der Scheidenvorhof und die Innenflächen der kleinen Schamlippen, der Oberfläche des Gliedes die Klitoris und die äußere Oberfläche der kleinen Schamlippen entsprechen.
Die Harnentleerung des Mädchens bedinge Reizung der kleinen Schamlippen und indirekt der Klitoris. Die Erotik des Vorhofs entspreche der Harnröhrenerotik des Knaben und werde mit dem selbständigen Harnlassen des Mädchens realisiert. Die Befeuchtung und der chemische Reiz von Harnresiduen erzeugen dort jedesmal viel längere Erregung als beim Knaben. Sekundär komme es zur Klitorisonanie, auch zur Erschwerung der Erregbarkeit der Scheide (Frigidität).
Der Urogenitalismus bedinge eine Differenzierung der Geschlechter, indem beim Mädchen die Vorhoferotik gegenüber der Klitoriserotik, beim Knaben aber die Penishauterotik gegenüber der Urethralerotik prävaliere.
Der Autor zieht aus diesen Ergebnissen weitgehende Konsequenzen, die zu würdigen ohne Nachprüfung seiner Aufstellungen nicht möglich ist. Seine z. T. kritische Einstellung zu den bisherigen Befunden der Psychoanalyse erscheint um so weniger berechtigt, als er die Betastungslust im Vorhofe sowie die Lust des Harnzurückhaltens unterschätzt. Die sexuelle Erregung weiblicher Wesen ist oft von der vollen Blase angeregt und außer Klitorisonanie wird eine solche im Vorhof und um die Harnröhrenöffnung geübt. Es ist ein Verdienst des Autors, auf diese noch nicht voll geklärten Verhältnisse aufmerksam zu machen.
E. Hitschmann (Wien)