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Wie mir scheint, ist die Hauptfrage, die in diesem Symposium aufgeworfen wird, derzeit nicht zu beantworten. Denn, um uns ein Urteil über die Stärke, resp. Schwäche des Ich zu bilden, müssen wir imstande sein, die Energie dieses Ich zu messen, und das können wir nicht. Was wir jedoch wohl können, ist auf Grund von Einzelbeobachtungen und Überlegungen gewisse Schlußfolgerungen über die relative Stärke oder Schwäche des Ich in bestimmten Situationen ziehen.
Freud faßt einmal diese Idee kurz in einem Satz zusammen: „Der Knoten-und Drehpunkt der ganzen Situation (i.e. Gesundheit oder Krankheit) ist die relative Stärke oder Schwäche des Ich.”2 Damit ist das Problem gestellt. Es fragt sich bloß: Was ist unter der Relativität der Energie des Ich gemeint? Welche Beziehung ist darunter zu verstehen? Das größere oder geringere Energiequantum innerhalb des Ich selbst, oder die Beziehung der Ichenergie zu der Energie des Es, des Über-Ich oder der Außenwelt? Ich glaube, beides ist darunter zu verstehen.
Das Ich wird von Energien gespeist, deren Quellen die Triebe des Es sind. Hätte man keine anderen Momente in Betracht zu ziehen, so müßte man auf Grund dieser Feststellung annehmen, daß das Ich stark oder schwach sei, je nachdem die Triebe große oder kleine Energiemengen entwickeln, kurz, daß die Stärke oder Schwäche des Ich von den Trieben abhängt.
Diese Formel stimmt in ihrer Einfachheit gewiß für viele Fälle, für andere aber nicht. Ein Mensch mit starken Trieben leistet oft sehr viel im Leben, ein Mensch mit schwach entwickeltem Triebleben bringt es nicht weit. Andererseits stellt „angeborene Stärke und Unbändigkeit des Trieblebens dem Ich von vornherein zu große Aufgaben” (Freud). Menschen, die diese Aufgaben nicht erfüllen können, nicht imstande sind, die notwendigsten Hemmungen aufzubringen, sind einfach Trieb- oder Lust menschen, die ständig in Konflikte mit der Realität geraten. Ihr Ich ist zu schwach, die Triebe zu meistern, es wird, im Gegenteil, von ihnen überwältigt. Ein