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In der sogenannten „Ich-Psychologie“ untersucht die Psychoanalyse Gegenstände, die schon längst vorher auch von anderen Psychologien zum Objekt genommen worden sind. Sie tut dies, durch die vorangegangene Erforschung der Triebe dazu in den Stand gesetzt, allerdings in einer anderen Weise als diese, nämlich genetisch, indem sie die Erscheinungen des Ichs als aus dem Zusammenspiel von Trieben und Außenwelteinnüssen entstanden darstellt. Man setzt sich also wohl nicht mehr dem Verdacht aus, Individualpaychologe zu sein, wenn man Probleme des Machtwillens untersuchen will, der ein mächtiges Motiv der handelnden Menschen ist — und wohl in unserer Gesellschaft ein stärkeres als sonst. Es wird nur darauf ankommen, wie man diese Untersuchung führt.
Den Problemen des Selbstgefühls und seinen Schwankungen — deren pathologische Zerrbilder Melancholie und Manie sind — nähern wir uns, scheint es, am besten, wenn wir die Auffassung von Rado darüber zu Grunde legen:1 Das Kleinkind fühlt sich in seinem Narzißmus allmächtig. Später lernt es, daß seine Macht recht begrenzt ist. Eine Sehnsucht, das verlorengegangene Gefühl der Allmacht wieder zu erreichen, bleibt zeitlebens zurück und macht sich als „narzißtische Bedürftigkeit“ bemerkbar. Ein „hohes Selbstgefühl“ bedeutet eine Annäherung an das verlorengegangene Allmachtsempfinden, ein niedriges eine Entfernung davon. — Die gewünschte Annäherung erreicht das Ich zunächst, solange die „narzißtische Bedürftigkeit“ von der „erotischen“ noch ungenügend differenziert ist, durch Zufuhren von außen, später durch Idealerfüllungen, eine Herabsetzung des Selbstgefühls entsteht dementsprechend zunächst durch die Empfindung, ungeliebt oder verstoßen zu sein, später durch Schuldgefühle. Die Erklärung hierfür ist, daß das Kind einen starken Allmachtsglauben rettet,