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Wenn ich nochmals daran gehe, die Biographie einer berühmten produktiven Persönlichkeit „psychoanalytisch zu ergänzen“, muß ich dankbar anerkennen daß das Buch von W. A. Berendsohn über Selma Lagerlöf1 mir als vortrefflich dienender Unterbau zur Verfügung stand. Professor Berendsohn hat anerkannt, daß er „der Psychoanalyse sehr viel danke“,2 aber gleichzeitig erklärt, er glaube, „daß ihre Methode für den Gebrauch der Literaturwissenschaft völlig umgebildet werden muß.“
Wir werden an Selma Lagerlöf zeigen können, daß es sich bei unserer Betrachtung der Entwicklung einer Persönlichkeit keineswegs nur um „das Kindheitserlebnis“ (Berendsohn) oder eine Reihe von Kindheitsreminiszenzen handelt, sondern um eine Rekonstruktion des seelischen Gesamterlebens der Kindheit mit ihren angeborenen Eigenschaften und Trieben samt den seelischen Reaktionen darauf. Dazu kommen all die frühen Eindrücke in Haus und Familie. Die Stellung in der Reihe der Geschwister, das Verhältnis zu ihnen kann nicht unbeachtet bleiben. Wie konnte Berendsohn z.B. die seelischen Reaktionen der kleinen Selma auf ihre Kinderlähmung, ihr Ausgeschlossensein durch Jahre von den Spielen der gesunden Geschwister, nicht mehr ins Kalkül ziehen. Ihr schweres Herz, ihr Neid, der später verleugnet oder vergessen ist, wie kam das Kind darüber weg?