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Nach 10-jähriger Arbeit legen die Verfasser (ein Erbwissenschaftler, ein Statistiker und ein Psychologe) ein Material vor, wie es bisher von keinem Interessierten auch nur erträumt werden konnte. Den Ausgang des Buches bilden Untersuchungen an 50 eineiigen Zwillingspaaren, und deren Vergleich mit 50 zweieiigen Paaren, um durch diesen Vergleich einen Standard sicherlich oder wahrscheinlich ererbbarer Eigenschaften herauszufinden. Die so erzielten Ergebnisse werden dann im zweiten Teil des Buches mit dem wesentlichsten, neuen Material verglichen: nämlich mit 19 eineiigen, das heißt erbgleichen Zwillingspaaren, die alle in frühester Kindheit, meistens sogar vom ersten Lebensjahr an getrennt aufgezogen wurden durch Zeiträume von 11 bis 50 Jahren. Leider beschränken sich die psychologischen Untersuchungen völlig auf leistungspsychologisches Gebiet, die Methode ist ausschließlich das Tesrverfahren, vom Lebensgang erfährt der Leser wenig, von der Persönlichkeit so gut wie nichts. Aus Diskretion und aus dem Bestreben, sich von sensationsbegierigen Reportern zu distanzieren, betonen die Verf., daß sie keine “Geschichtenschreiber” seien, und so sind die einzigartigen Möglichkeiten dieses unvergleichlichen Materials nicht im entferntesten ausgeschöpft. Das Endergebnis ist eine den nichtssagenden Untersuchungsniethoden entsprechende Enttäuschung: “Das, was durch Erblichkeit bedingt werden kann, kann auch durch Umwelt bedingt werden.” Es sei darauf hingewiesen, daß die Verf. sich bereit erklären, jedem am Erb-Umwelt-Problem Interessierten das gesamte, zum Teil nicht veröffentlichte Material zur Verfügung zu stellen — ein auch den Analytiker lockendes Angebot.
M. Grotjahn (Chicago)