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Searl warnt zunächst mit Recht davor, zu viel Phantasieinhalte in die Seelenvorgänge des Säuglings hineinzudeuten. Der Geschlechtsunterschied errege jedenfalls nicht von Anfang an das Interesse. Die erste Unterscheidung in der Objektweh differenziere Brust oder Flasche von der übrigen Welt; nach drei Monaten werden bekannte und unbekannte Gesichter unterschieden; von anderen (eigenen und fremden) Körperteilen errege sodann besonders der Finger die Aufmerksamkeit. Wir haben keinen Beweis dafür, daß schon im ersten Lebensjahre dem Penis ein besonderes Interesse zugewendet würde. Wahrscheinlich variiere der Zeitpunkt, in dem dieses Interesse auftritt, sehr stark, und seine Natur hänge dann von der Art der ersten Beobachtungen ab. Wir seien gewohnt, daß der Finger als Penis-Symbol erscheint; genetisch sei es umgekehrt. — Außer dem Penis erwecke auch das Scrotum das Interesse der Kinder beiderlei Geschlechts; Miss Searl konnte bei verschiedenen Kindern darauf bezügliche Phantasien (Scrotum-Brüste) aufdecken. — Der Anblick des Genitales des anderen Geschlechts könne sehr verschieden wirken, und man möge sich diesbezüglich vor Schematisierungen hüten. Oft sei es nicht so, daß der Genitalunterschied allen Gedanken über die Geschlechter zugrunde Hege, sondern so, daß umgekehrt das Kind von der Unsicherheit anderer Unterschiede (etwa der Gesichter) zu Gedanken über die Genitalien als über etwas, wo der Unterschied sicher ist, flieht; es wäre dies eine Art Flucht vom Abstrakten zum Konkreten. Eine solche Flucht entspreche einer Abneigung gegen alles, was nicht direkt mit den Sinnen wahrnehmbar ist, entstammend der Abneigung gegen die eigenen untastbaren und unsichtbaren Affekte. — Auch die Gedanken des sogenannten Kastrationskomplexes seien je nach wirklichen Erlebnissen sehr verschieden. Im allgemeinen haben Mädchen zunächst mehr Angst vor Beschädigung ihres Körperinnern als Jungen. Wenn sie sich aber einmal auf ihre „inneren” Fähigkeiten des Gebärens und Nährens vertrauensvo