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Auf Grund von klinischen Erfahrungen warnt Zilboorg eindringlich vor Unterschätzung der noch zu wenig studierten oralen Faktoren für die Psychogenese der
Frigidität, und kommt dazu, die Tabelle über Triebumsetzungen, die Freud in seiner Arbeit „Über Triebumsetzungen, insbesondere der Analerotik” aufgestellt hat, zu ergänzen: In der Analyse einer Frau mit Zwangscharakter, die beherrscht war vom „Rachetypus” des weiblichen Kastrationskomplexes, stellte sich nach Durcharbeitung zahlreicher Konflikte aus späterer Zeit in besonders eindrucksvoller Weise heraus, wie sie in dramatischer Weise von unerledigten oral-sadistischen Konflikten ihrer Mutter gegenüber beherrscht war. Sie entdeckte schließlich die Wirksamkeit einer ihr bis dahin unbewußten Onaniephantasie des Inhalts, daß eine alte Nurse ihre Brüste ihr in den Mund oder in die Vagina stecke. Viele Einzelheiten ihres Verhaltens dem Penis gegenüber (z. B. ihr ambivalentes Verhalten gegenüber der Ejakulation) wurden nun verständlich, wenn der Penis als „Brustersatz” gedeutet wurde. Eine Sehnsucht nach Schwangerschaft, die mit einer Gebärangst kombiniert war, erwies sich nicht nur als Ausdruck ihres Penisneides (etwas im Bauch haben, aber es nicht hergeben wollen), sondern als Sehnsucht nach „oraler” Harmonie mit der Mutter, um oralsadistische Impulse gegen sie abzuwehren. Das Ziel des Sexualaktes solcher Frauen sei immer noch der Genuß des Säuglings an der Mutterbrust, in ihrem sexual pathologischen Verhalten spiegeln sich frühkindliche orale Versagungen wider. Die bekannte symbolische Gleichung Penis — Faeces — Kind sei zu ergänzen zu Penis — Faeces — Kind — Brust; hinter Kastrationsgedanken seien Entwöhnungserfahrungen verborgen, und zwar nicht nur Erfahrungen in bezug auf die endgültige Entwöhnung, sondern auch m bezug auf den täglich mehrmals wiederholten Brustentzug nach den einzelnen Mahlzeiten. Man müsse sich, meint Zilboorg mit Recht, die orale und die anale Periode als eng miteinander verwoben vorstellen.
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