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Seit Freuds Berliner Kongreßvortrag („Das Ich und das Es”), also seit 16 Jahren, ist die Vorstellung von der Schwäche des Ichs allgemein verbreitet. Es ist seltsam, daß dies so schnell, so kampflos geschehen konnte; versuchte doch eine der ältesten, eigentlich nie widersprochenen Formulierungen der Psychoanalyse, die Entstehung aller psychoneurotischen Symptome aus dem Kampfe der Sexualtriebe und der Ichinteressen abzuleiten. Wenn das Ich schwach ist, wie kann es denn seine Interessen so energisch vertreten, daß es zu einem dauernden Kompromiß, zu einem ständigen Symptom kommen mußte? Diese und ähnliche Fragen wurden aber nicht gestellt. Die Theorie ging einen anderen Weg; sie hielt an der Annahme des schwachen Ichs fest und übertrieb sie sogar. Die Ichinteressen verschwanden aus den theoretischen Betrachtungen beinahe vollkommen, ihren Platz nahmen die verschiedenen Forderungen ein, u. zw. die Forderungen des Es, der Umwelt, des Überichs. Das Ich hatte fast keine Eigeninteressen mehr; man sprach nur von Abhängigkeiten und Aufgaben, denen es zu entsprechen hatte. Die Folge dieser theoretischen Einstellung zeigt sich am besten in den Sachregistern, weil die bewußte sekundäre Bearbeitung auf sie weniger achtet als auf den Text; in allen, die seit 1930 erschienen sind, fehlen die Schlagwörter „Ichinteressen” und „Ichstärke” vollkommen.1 Dies ist umso merkwürdiger, als Freud schon 1926 in „Hemmung, Symptom und Angst”,2 3 Jahre nach dem Erscheinen von „Das Ich und das Es”, uns mahnte, nicht zu vergessen, daß das Ich auch stark sein kann. Er führte uns zwar nur wenige Fälle an, in denen diese Stärke klar zu beobachten war, aber nur deshalb wenige, weil er damals bloß beweisen wollte, daß das Ich zeitweise auch stark sein kann. Unsere Theorie hat dieser Mahnung nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt. Umso erfreulicher ist es, daß die Kongretileitung eben dieses wichtige, aber arg vernachlässigte Thema zur Diskussion stellte.
Was verstehen wir heute unter „Ichstärke”? Der Begri