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Ernest de Sarzec, französischer Konsul in Bassorah, fand im Jahre 1879, als er unter den Schutthügeln von Tello im Iraq Arabi die altsumerische Stadt Lagash ausgrub, den Siegelzylinder, dessen Abdruck vorstehend wiedergegeben ist. Das Stück, das aus bräunlichem Jaspis besteht, 29 mm in der Höhe und 15 mm im Durchmesser mißt, ist um etwa 2500 vor Chr. anzusetzen. Es ist jetzt im Besitz des Musée du Louvre.1
Der Abdruck dieses Siegelzylinders zeigt drei Personen: Einen ausgestreckt liegenden, nackten Mann, über ihm eine ebenfalls nackte Frau in Hockerstellung mit geöffneten Knien und deutlich gekennzeichnetem Geschlechtsteil und rechts zur Seite einen anderen Mann. Dieser zweite Mann steht aufrecht und ist bekleidet; er richtet mit seiner erhobenen Linken eine dolchartige Waffe gegen den am Boden Liegenden, dessen zurückgeworfene Arme vermuten lassen, daß hier ein Sterbender oder Toter dargestellt ist. Ein weiteres beachtenswertes Detail ist, daß der aufrecht Stehende und Bewaffnete bartlos ist, während der am Boden Liegende einen trotz des kleinen Formats der Darstellung gut erkennbaren Bart trägt. Man kann kaum daran zweifeln, daß hier ein Altersunterschied angedeutet sein soll, da nicht anzunehmen ist, daß bei einer derart minutiösen Arbeit der einen Figur ein so interessantes Detail wie der Bart ohne besondere Absicht zugefügt, oder bei der anderen aus Nachlässigkeit fortgelassen worden sei. Die Frau, die frontal gezeichnet ist, kann in dieser Stellung nicht auf dem Körper des Mannes gesessen haben; ihre Positur wird erst verständlich und erhält ein einleuchtendes Verhältnis zu der des unter ihr liegenden Mannes, wenn man sie sich im Profil, also rittlings auf dem Manne sitzend, vorstellt, was der Künstler in Unkenntnis der Gesetze der Perspektive offenbar nicht wiederzugeben vermochte. Die Frau richtet ihren Blick auf den neben ihr stehenden, bewaffneten Mann, der auf dem Abdruck, welcher das spiegelverkehrte Negativ des Originals darstellt, mit der rechten Hand i