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Eine 51-jährige Frau erkrankte an einer dysentherieartigen Kolitis ohne bakteriologischen Befund mit hohem Fieber und blutigen Durchfällen; sie starb nach fünf Wochen. Während der Krankheit hatte der Autor Gelegenheit, die Patientin 26 Mal zu explorieren, was ein überraschendes und interessantes psychoanalytisches Material zu Tage brachte. Die Krankheit erwies sich als vollständig in unbewußte Zusammenhänge eingebaut.
Der Charakter der Patientin war durch einen „überkompensierten Sadismus” gekennzeichnet, sie war stets übertrieben gütig und geneigt, alle Schuld auf sich zu nehmen. Während der Krankheit bot sie psychisch das Bild einer agitierten Melancholie und ließ orale und anale Tendenzen mit einer ungewöhnlichen Offenheit erkennen. Das wichtigste anamnestische Moment war der Tod der Mutter, die im sechsundzwanzigsten Lebensjahre der Patientin gleichfalls an einer Darmentzündung gestorben und von der Patientin gepflegt worden war. Als sie einmal der Mutter Injektionen gegeben hatte, sagte ihr der Arzt, es würde ihre Schuld sein, wenn die Mutter stürbe, worauf die Patientin dachte, das würde auch ihr eigener Tod sein, — Nach dem Tode der Mutter aß sie, nachdem sie sich zuerst geweigert hatte, irgendwelche Nahrung zu sich zu nehmen, mit schlechtem Gewissen Würstchen, die ihr der Vater gebracht hatte, — ein Detail, das wichtig ist, weil sie nun in ihrer eigenen Todeskrankheit 25 Jahre später eine Gier nach Würstchen entwickelte. — Später hatte sie ihrer eigenen heranwachsenden Tochter gegenüber einerseits eine Identifizierung, andererseits eine Vergeltungsangst entwickelt; besonders schuldbewußt war sie, als sie dem Autor gestand, daß ihre Tochter und deren Vater, also ihr eigener Mann, sich vor einander nicht genieren und sich gelegentlich nackt sehen; die Patientin erklärte: „Meine Mutter ist gar nicht wirklich tot, denn sie lebt in meinem Innern fort”, und machte Fehlhandlungen, die deutlich zeigten, daß sie das Verhältnis ihrer Tochter zu deren Vater, ihrem eigen