You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die Analyse eines 24-jährigen Patienten, dessen Krankheitsbild zwischen Homosexualität und paranoiden Zustandsbildern schwankte, bestätigte nicht nur die den
Analytikern bekannte Verwandtschaft dieser beiden Krankheitsformen, sondern bot auch Gelegenheit, Probleme der Neurosenwahl zwischen manifester Homosexualität und Paranoia zu diskutieren. Der Patient gehörte demjenigen Typ männlicher Homosexualität an, dessen mächtige Mutterfixierung unter dem Einfluß schwerer Kastrationsangst von einer Identifizierung mit der Mutter abgelöst worden war, von der aus er sich männliche Objekte vom Vater-Typus suchte, denen gegenüber er ambivalent eingestellt war. — Die paranoide Reaktion stellte sich immer dann ein, wenn der Patient genötigt war, eine besonders intensivierte Feindseligkeit gegen die Vater-Figuren zu projizieren. Während er im allgemeinen seinen Kastrations- und Liebesverlust-Ängsten durch seine Homosexualität entgehen konnte (erspielte dabei, die Kastration leugnend, das „Mädchen mit dem Penis”), genügte dieser Mechanismus nicht mehr, wenn seine Aggressivität oder seine Angst durch äußere Umstände besonders erhöht wurden.
O. Fenichel (Los Angeles)