You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die ersten Arbeiten zum Problemkreis „Psychogenese von organischen Krankheiten” wollten diese in derselben Art wie hysterische Konversionssymptome auffassen — eine wohl unerlaubte Vereinfachung der Probleme. Denn schon 1910 in seiner Arbeit „Die
psychogene Sehstörung in psychoanalytischer Auffassung” unterschied Freud „hysterische” Symptome, die durch Konversion bestimmter Vorstellungen in körperliche Abläufe entstehen, von „neurotischen”, in denen eine psychogen bedingte Funktionsänderung des Organs schließlich eine (psychisch nicht sinnvolle) organische Veränderung setzt.1 Alexander hat bekanntlich nachgewiesen, daß viele der als „organ-neurotisch” bezeichneten Symptome nach der zweiten Art zu erklären sind, also selbst nicht den Ausdruck einer psychischen Tendenz darstellen, sondern organische Folgen eines organischen Zustandes sind, der seinerseits durch die unbewußte Triebeinstellung des betreffenden Subjekts entstanden ist.
Sauls Verdienst ist es, diese Auffassung nun auf die einfache „Erkältung” angewendet zu haben, und zwar nicht nur theoretisch, sondern mit reicher klinischer Illustrierung. Er betont, daß psychische Umstände bei Erkältungen nur eine Ursachenreihe neben anderen Reihen darstellen, allerdings eine in gewissen Fällen ausschlaggebende. Es zeigte sich nämlich regelmäßig, daß bei Patienten während der Analyse Erkältungen in Zuständen erhöhter Triebspannung auftraten, und zwar in Zuständen eines erhöhten oral- (oder genital-) rezeptiven Verlangens, und sadistischer Reaktionen, wenn diese Sehnsüchte nicht erfüllt wurden. Auf Deutung der Rezeptivität und Aggressivität hin verschwanden die Symptome der Erkältung. Diese Zusammenhänge werden in drei Fällen ausführlich, in sechs weiteren etwas flüchtiger nachgewiesen.
Saul diskutiert sodann die Zusammenhänge zwischen der zugrundeliegenden Triebspannung und den resultierenden muskulären und sekretorischen Symptomen. Die muskulären Symptome sind wirklichen muskulären Aktivitäten zuzuordnen, wie Schluckbewe