You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Durch den Tod Professor Bleuler's, der, wie Professor Freud das Alter von 83 Jahren erreichte, ist nicht nur ein sehr hervorragender Psychiater dahingegangen, sondern auch einer der wenigen, die mit den Anfängen der Psychoanalyse — in der er eine bedeutende Rolle spielte — verbunden sind. Im Jahre 1898 folgte er seinem alten Lehrer Forel in der Leitung der berühmten Irrenanstalt Burghölzli und als Professor der Psychiatrie an der Universitat Zürich, eine Stellung, die er dann durch 30 Jahre innehatte. In den Jahren 1905/06 gewann er Interesse an den Arbeiten Freud's, zuerst angeregt durch seinen Assistenten Jung, den er dann seinerseits aneiferte, seine Forschungen auf dem Gebiete der Analyse fortzusetzen. Er war beim Ersten Internationalen Psychoanalytischen Kongress im Jahre 1908 anwesend, zwei Jahre nachdem er seine Pionierarbeit über „Affektivität, Suggestibilität und Paranoia“ geschrieben hatte. Er gab zusammen mit Jung das „Jahrbuch für Psychoanalytische Forschung“, die erste psychoanalytische Zeitschrift, heraus. Im Jahre 1910 veröffentlichte er seine gediegene Schrift zur Verteidigung der Psychoanalyse, aber 1914 hielt er in der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie einen Vortrag, der die Analyse lebhaft kritisierte. Im gleichen Jahr beschrieb er den Begriff der „Ambivalenz“, einer der wertvollsten, die wir ihm schulden. In der Folgezeit entfernte er sich von den psychoanalytischen Kreisen und konzentrierte sich gänzlich auf seine bedeutenden Forschungen über die Schizophrenie, ein Fachausdruck, den wir ebenfalls ihm verdanken. Manches Paradoxe in seinem Werk und in seiner Persönlichkeit wird verständlich, wenn wir annehmen, dass seine Entdeckung der Ambivalenz auf Grund einer Selbstwahrnehmung gemacht wurde. Wiewohl man sagen kann, dass kein Psychiater mehr als Bleuler dahingewirkt hat, den psychologischen Gesichtspunkt in der Schizophrenieforschung durchzusetzen, hielt er dennoch bis zuletzt an der Auffassung fest, dass sie auf eine organische Störung zur