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Es gibt, soviel uns bekannt ist, noch keine Theorie des hysterischen Anfalles, sondern bloss eine von Charcot herrührende Beschreibung desselben, welche sich auf die selten vorkommende, unverkürzte „grande attaque hystérique“ bezieht. Ein solcher „typischer“ Anfall besteht nach Charcot aus vier Phasen, 1) der epileptoiden, 2) den grossen Bewegungen, 3) der Phase der „attitudes passionelles“, 4) dem „délire terminal“. Indem sich einzelne dieser Phasen selbständig machen, verlängern, modifizieren oder ausfallen, entstehen nach Charcot alle jene mannigfaltigen Formen von hysterischen Anfallen, die man als Arzt häufiger als die typische grande attaque zu beobachten Gelegenheit hat.
Diese Beschreibung bietet keinerlei Aufklärung über einen etwaigen Zusammenhang der einzelnen Phasen, über die Bedeutung des Anfalles im Gesamtbilde der Hysterie oder über die Modifikation der Anfälle bei den einzelnen Kranken. Wir gehen vielleicht nicht irre, wenn wir vermuten, dass bei der Mehrzahl der Ärzte die Neigung vorherrscht, im hysterischen Anfall eine „periodische Entladung der motorischen und psychischen Centren der Hirnrinde“ zu sehen.
Wir sind zu unseren Anschauungen über den hysterischen Anfall dadurch gelangt, dass wir Hysterische mit hypnotischer Suggestion behandelten und durch Ausfragen in der Hypnose ihre psychischen Vorgänge während des Anfalles erforschten. Wir stellen folgende Sätze über den hysterischen Anfall auf, denen wir noch die Bemerkung vorausschicken, dass wir die Annahme einer Dissociation — Spaltung des Bewusstseinsinhaltes — für unentbehrlich zur Erklärung hysterischer Phänomene erachten.
1.) Konstanter und wesentlicher Inhalt eines (wiederkehrenden) hysterischen Anfalles ist die Wiederkehr eines psychischen Zustandes, den der Kranke bereits früher einmal erlebt hat, mit anderen Worten, die Wiederkehr einer Erinnerung.
Wir behaupten also, dass das wesentliche Stück des hysterischen Anfalles in der Charcot'schen Phase der attitudes passionelles enthalten ist. In