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Die psychoanalytische Trieblehre war in den letzten Jahren eher damit beschäftigt, die vorgefundenen Tatsachen theoretisch zu bearbeiten, als damit, neue Tatsachen zu Tage zu fördern. Dies konnte leicht den Anschein erwecken, das große Gebiet des Trieblebens wäre bereits so gut wie aufgedeckt, oder wenn es auch nicht vollständig erkannt war, wäre doch das Unbekannte der Untersuchung nicht wert. Natürlich wußte jeder, daß man noch weit davon entfernt war, das menschliche Triebleben in seiner analytisch faßbaren Gestalt vollständig erforscht zu haben.
Im folgenden möchte ich eine manchmal nur schwach in Erscheinung tretende, oft aber sich laut meldende Gruppe von Phänomenen aus dem Triebleben namhaft machen. Es handelt sich um ein Triebgegensatzpaar, um zwei Partialtriebe der Libido, den Anklammerungstrieb und den Trieb des Auf-Suche-Gehens.2 Der Anklammerungstrieb müßte eigentlich den menschlichen Säugling gleich nach der Geburt zur Zielhandlung zwingen, so wie es bei jedem Primatenkinde geschieht, doch wird er beim Menschen traditionell von der Umgebung — jetzt vielleicht auch schon infolge verinnerlichter Gegenkräfte — in seiner Wirksamkeit, den Mutterkörper zu ergreifen und den eigenen Körper hier anzuhängen, lahmgelegt. Ein unbefriedigter Trieb wird jedoch nicht zu Null, wird aus dem Dynamismus des seelischen Geschehens nicht ausgeschlossen, er findet Ersatzbildungen, indem er z. B. das vermißte ichfremde Objekt, hier die Mutter, durch Teile des eigenen Körpers ersetzt. Er kann zwar eine Zeitlang ruhig warten, bis er durch neuerliche Versagungen, die andere Partialtriebe betreffen, regressiv besetzt und dadurch seine ursprüngliche Kraftgröße, infolge Zuströmens neuer Libidomengen also, vervielfacht wird. Dann bricht er irgendwo durch. Der Trieb des Auf-Suche-Gehens wirkt hinwieder am Anfang einer jeden objektverbundenen Triebäußerung, wird libidobesetzt und entfaltet sich stets, sobald der Anklammerungstrieb objektlos bleibt. Reaktiv setzt das Ich dem Anklammerung