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Das Kopfjägertum, mit dem wir uns hier befassen wollen, ist in den letzten Jahrzehnten im Zuge fortschreitender Kolonisation zurückgedrängt worden. Das Verbreitungsgebiet lässt sich schwer genau feststellen; es gibt Kopfjägerei bei den Naga-Völkern in Assam, bei den Wa in Zentral-Hinterindien, bei den birmanischen Chin, Kuki und Lushei, bei den Dayak auf Borneo. An verschiedenen Orten in Neu-Guinea (von der Geelvink-Bai bis zum MacCluer-Golf, an der Südwestküste, am Fly River, am Papua-Golf), auf der Insel Pannaet im Osten von Neu-Guinea, auf den mittleren und südöstlichen Salomonen. In Afrika findet sich nach Gusinde die eigentliche Kopfjagd in Nigeria, während die Schädeltrophäe in weiten Gebieten des Kontinents verbreitet ist, so im West-Sudan, an der Guinea-Küste, bei den westlichen Bantu. Die Skalpjagerei, die man als eine Sonderform des Kopfjägertums betrachten darf, war im 18. und 19. Jahrhundert fast über den ganzen nordamerikanischen Kontinent verbreitet. Manche nordamerikanische Stämme (Yuma u.a.) führten auch den ganzen Schädel als Trophäe heim. In Süd-Amerika scheint sich das Kopfjägertum stellenweise bis auf den heutigen Tag erhalten zu haben; es wurde bei den Karaiben, Mesayas, Jibaro und anderen Amazonas-Stämmen beschrieben.
Die hier herangezogenen Beispiele entstammen durchwegs dem hinterindischen und indonesischen Gebiet, über das eine Reihe gründlicher und zuverlässiger Berichte vorliegen, und sie weisen auf eine Reihe Characteristica hin, die durchaus nicht für alle Kopfjägerstämme zutreffen.
Das Wesentliche und Ursprüngliche an der Kopfjagd besteht darin, dass man Angehörige fremder Dörfer oder Völker überfällt und tötet, ausschliesslich um sich in den Besitz ihrer Schädel zu setzen, die dann auf eigenem Gebiet in typischer Weise aufbewahrt werden. Die Opfer der Jagd sind immer „Fremde“, was etwa für den mit der Kopfjagd vielfach parallel gehenden Kannibalismus nicht gilt; auch bei dem mit der Kopfjagd zusammenhängenden Schädelkult können die Objek