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Bettina Warburg teilt die Krankengeschichte einer jungen Frau mit einer schweren
Zwangsneurose mit, deren ganzes Leben der Ausdruck der Wirksamkeit gewisser unbewusster Phantasiebildungen war. Diese Phantasiebildungen waren das Resultat ihrer unglücklichen Kindheit. Wir sehen, wie diese Phantasien — entsprechend äusseren Erlebnissen und später entsprechend dem Fortgang der Analyse — sich modifizieren und schliesslich die Herrschaft, die sie über das wirkliche Leben der Patientin ausgeübt hatten, verlieren. In diesen Phantasien überwiegen Todesgedanken, was darauf zurück geht, dass der Vater der Patientin in deren viertem Lebensjahre gestorben war, was die Begriffe „sexuelle Befriedigung“ und „Tod“ im Unbewussten der Patientin einander besonders nahe gebracht hatte. Nach dem Tode des Vaters hatte sich die Patientin, die sich von ihm verlassen fühlte, mit ihm in einer feindseligen Weise identifiziert, was eine Einstellung in die Höhe brachte, die dem negativen Oedipus-Komplex entsprach. Gleichzeitig aber wirkte der dem positiven Oedipus-Komplex angehörige Hass gegen die Mutter, Er beherrschte eine zweite Phantasie-Reihe, derzufolge die Mutter den Vater getötet und seines Penis beraubt hatte. — Unter den Erlebnissen, die später diese Phantasien besonders beeinflussten, heben sich ein Selbstmordversuch und eine Schwangerschaft durch einen ungeliebten Mann hervor, beides durch — Rache-, Busse- und Wiedergeburts-Phantasien determiniert, letztere mit der Idee, das zweite Mal mit einem Penis geboren zu werden.
O. Fenichel (Los Angeles)