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Es soll uns hier die Frage beschäftigen, worin sich die Kindheitsentwicklung des späteren Zwangsneurotikers von der des späteren Hysterikers unterscheidet. Wir setzen dabei voraus, dass es nötig ist, die beiden Krankheitsformen zu unterscheiden. Dadurch, dass wir eine frühe Differentialdiagnose zwischen ihnen finden, ist diese Trennung neuerlich gerechtfertigt. Über den Weg genauer diagnostischer Unterscheidung wollen wir zum Hauptunterschied in der Genese gelangen. Der Unterschied in der Frühentwicklung muss mit der bereits bekannten Verschiedenheit in der Disposition übereinstimmen.
Von Beginn seiner Forschungen an interessierte sich Freud für die Frage, die er das Problem der „Neurosenwahl“ genannt hat. Freud und alle, die ihm folgen, halten daran fest, die verschiedenen Arten der funktionellen Störungen zu unterscheiden und nicht zu der alten Methode zurückzukehren, alle nicht wesentlich organischen Krankheiten mit banalen Namen, wie Neurasthenie, Erschöpfungszustand und neuerlich „neurotischer Zustand“ zu bezeichnen. Früh hat Freud Angstneurose und Hysterie getrennt, und bei letzterer unterschied er wieder Hysterie im engeren Sinne und Angsthysterie, die man allgemein als Phobie bezeichnet.
Einige Konversionssymptome, z. B. Krämpfe, Kontrakturen, Lähmungen, Erbrechen und Schmerzen, Anfälle und Trancezustände, schliesslich die hysterischen Stigmen werden von jedem Arzt als hysterische Symptome anerkannt, und ebenso werden typische Rituale und Zeremonielle immer der Zwangsneurose zugeschrieben. Aber es gibt Symptome, die Züge von beiden Krankheiten tragen und nicht mit Entschiedenheit einer von ihnen zugeschrieben werden können. Die Tics sind solch eine Gruppe: das Individuum ist ihnen unterworfen wie einem Zwange, sie drücken aber seelische Reaktionen körperlich aus, wie z. B. ein Konversionssymptom. Auch die allgemeine Haltung des Patienten bringt keine Entscheidung, weil man Tics sowohl bei hysterischem wie bei zwangsneurotischem Charakter auftreten sieht. Manch