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Es bedeutet zweifellos eine Erschwerung analytischer Arbeit, daß die Triebe, die die Grundlage der neurotischen Erkrankungen bilden, einer direkten Untersuchung mit unseren Methoden unzugänglich sind. Da die Biologie vorläufig nicht in der Lage ist, uns das notwendige Material zu liefern, sind wir weiter gezwungen, an Hand unserer Beobachtungen das Fehlende durch Hypothese zu ergänzen. Um sich vor gefährlichen Spekulationen zu schützen, wird man bei Bildung dieser Hypothesen die Ratschläge Freuds strikt einhalten müssen, d.h. die Spekulationen nicht zu weit fortführen und ihre Brauchbarkeit immer wieder durch klinische Erfahrungen kontrollieren.
Die neurotischen Erkrankungen, wie alle anderen Erkrankungen überhaupt, lassen sich als Abwehrmechanismen beschreiben. Das Symptom, das uns als ein Fremdkörper erscheint und gegen das sich die Abwehr der Gesamtpersönlichkeit richtet, ist schon ein Produkt einer Abwehr. Während nun bei den Infektionskrankheiten die Abwehr gegen den Erreger (das pathogene Virus) gerichtet ist, sind in den Neurosen die Triebe, und zwar Triebe bestimmter Art und Menge, die Ursache dieser Abwehr.
Die Analyse beschäftigt sich mit dem Studium zweier Urtriebe1, Eros und Thanatos, die sich zu zwei Triebgemischen — dem Aggressionstriebgemisch, in dem der Thanatos, und dem Sexualtriebgemisch, in dem der Eros prävaliert — vereinigen: Diese beiden Triebgemische, der eigentliche Gegenstand dieser Untersuchung, interessieren uns nicht nur dort, wo sie die Grundlage einer neurotischen Erkrankung bilden; im Gegenteil, wir sind gezwungen, sie auch auf zwei anderen Gebieten des Seelischen zu verfolgen, um auf diese Weise durch eine vergleichende Betrachtung einerseits Neues zu finden, anderseits das Bekannte besser einzuordnen.
Diese zwei andern Gebiete sind: erstens die bei jedem Kinde unter dem Einfluß der Erziehung auftretenden Veränderungen der Triebgemische, die wir als Triebschicksale bezeichnen; zweitens ihre Wandlungen und Wirkungen bei erwachsenen Gesund