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Meine ursprüngliche Absicht war, die hinter dem Arbeitsethos verschiedener Völker verborgene Hypokrisie einerseits, und die in ihnen doch enthaltene Wahrheit andererseits auf Grundlage der Freudschen Libidotheorie zu analysieren. Die Wege der Libido und der aggressiven Impulse in verschiedenen Arten der Arbeit empirisch — auf dem Wege des „field-work“ — usw. zu untersuchen, war für mich ebenso wenig zugänglich wie die Möglichkeit, Arbeitern in und ausser Arbeit in grösserer Zahl zu begegnen. So habe ich mich entschlossen, dem Rat Professor Karl Mannheims folgend, mich auf den hier vorliegenden Arbeitsplan zu beschränken: auf der Grundlage mir zwar auch nur sehr beschränkt zur Verfügung stehender ethnologischer, soziologischer usw. Werke1 eine Analyse von gewissen Völkern und Gruppen von diesem Gesichtspunkt aus zu versuchen. Die hinduistischen Kasten erschienen mir als besonders geeignet für einen ersten Versuch. Gruppen-und Klassenunterschiede gibt es ja überall, aber nirgends ist die Teilung einer Bevölkerung in soziale, Berufs- usw. Gruppen so scharf und starr durchgeführt worden wie in Indien. Ich hoffe bei der Analyse der Arbeitskasten einiges von meinem ursprünglichen Plan verwirklichen zu können.
Vorderhand soll hier die indische Gesellschaft, nicht in einer bestimmten, abgegrenzten Periode, sondern im Flusse ihrer Entwicklung, seit ältester Zeit, in ihren auffallendsten Eigentümlichkeiten untersucht werden. Unter diesen Eigentümlichkeiten ist an erster Stelle das Kastensystem zu nennen, welches uns teils an sich, teils als Produkt der Brahmanen beschäftigen soll. Zweitens undanschliessend: das Phänomen des Sippencharisma, und schliesslich in diesem ersten Teil unserer Untersuchung noch: die Kuhverehrung, deren Analyse eine tiefere Einsicht in den Libidohaushalt der ersten Gruppe unserer Untersuchungen (der Brahmanenkaste) ermöglicht.
Das Arbeitsethos der Brahmanen ist durchaus negativ und wir wollen eben diesen negativen Charakter ebenso — wenn auch nur indire