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In einer jüngst erschienenen Übersetzung des lateinischen Textes der Distichen des Dionysius Cato berichtet Pierre Constant, dass wir keinerlei Nachrichten über das Leben des Verfassers dieser „Disticha de moribus ad filium“ zur Verfügung haben. Nach der Meinung der heutigen Literaturhistoriker war er ein lateinischer Moralist des 3. nachchristlichen Jahrhunderts. „Dionysius Cato“, die Bezeichnung, unter der er allgemein bekannt ist, war jedoch nicht sein wahrer Name.
Die moralischen Distichen gehören einer poetisch-philosophischen Literaturgattung an, die — wenn sie auch ursprünglich aus den Quellen der Lehrschriften des Alten Testamentes (Psalmen, Prediger Salomo, Sprüche Salomos) und aus denen der sokratischen, platonischen und stoischen Philosophie gespeist worden war — in Rom schon in der letzten Zeit der Republik und der ersten des Imperiums grossen Ruhm und grosse Verbreitung genoss. Es genügt hier, um nur die berühmtesten aufzuzählen, die verlorenen Werke des Censors Cato zu erwähnen, von denen Aulus Gellius in seinen Noctes Atticae (XI,2) berichtet, nämlich das „Carmen de moribus“ und die „Praecepta ad filium“, von denen der unbekannte Autor der Distichen des Dionysius Cato sicherlich inspiriert wurde, ferner das „Handbüchlein“ des Epiktet, aus dem ersten Jahrhundert n.Chr., die „Memorabilien“ des Valerius Maximus, ebenfalls aus dem ersten Jahrhundert, und die Erinnerungen des Marc Aurel, aus dem zweiten Jahrhundert. Diese selbe Gattung findet sich aber auch in der moralisierenden Literatur des Mittelalters, in den Schriften des Mönches Eberhard, (9.Jahrh.) und des Gracian (16. Jahrh.), und sie setzt sich bis in die neuere Zeit in dem „Livre des Proverbes“ des Leroux de Lincy fort, den Constant zitiert, und in der berühmten „Ode an seinen Sohn“ von Kipling („To my son“).
Die Oneiromantik, d.h. das Problem des Charakters des Traumes als einer