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Dieses denkwürdige Buch2 ist eines der interessantesten, die Freud je geschrieben hat. Es ist auch dadurch bemerkenswert, dass, während selbst seine nächsten Freunde und Anhänger vermutlich manches darin finden werden, womit sie nicht einverstanden sind – das Hauptthema vielleich sogar inbegriffen —, dennoch niemand, der überhaupt Phantasie hat, anders kann, als von den unaufhörlich sprühenden und leuchtenden Gedanken, die es ausstreut, entflammt zu werden.
Jemand hat geäussert, die Arbeiten Freuds neigten, ähnlich wie die Symphonien Beethovens, dazu, in ihrer Einstellung zum Publikum zu wechseln. In dem einen Fall, für den „Jenseits des Lustprinzips“ ein gutes Beispiel ist, scheint er vornehmlich für sich selbst zu schreiben, sozusagen laut zu denken; sein Leser muss sich damit bescheiden, aus dem eindrucksvollen Prozess, der da im Gange ist, herauszuholen, soviel sie können, und müssen dankbar sein für den besonderen Vorzug, der ihnen damit gewährt wird. In solchem Falle ist der Gewinn des Lesers proportional der Bemühung, die er selbst aufwendet. Er hat nicht das Gefühl, dass da ein mitempfindender Lehrer ihm hilft, er muss selber hart ringen. Im anderen Fall, für den die „Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse“ das beste Beispiel sind, erweist sich Freud als glänzender Lehrer, der seines Lesers Schwierigkeiten vorwegnimmt, errät und löst, und all das mit einer Kunst der Hilfe, die in ihrer Genialität an sich bewunderungswürdig ist.
Man kann kaum zweifeln, dass das vorliegende Werk zur ersten Kategorie gehört. Schon die ungewöhnliche Anordnung des Buches mit seinen Wiederholungen, dem Mangel geradliniger Entwicklung in der Beweisführung, mit den drei Vorbemerkungen in seiner Mitte, sind Momente, auf die wir nicht im mindesten gefasst sind, wenn wir ein Buch Freuds aufschlagen, dessen Können gerade in diesem Felde ein überragendes ist, und er macht einen glauben, dass er ernstlich gegen seine eigenen künstlerischen Gesetze verstösst. Man hat nicht