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Freud erklärt den Monotheismus aus der Nachwirkung eines prähistorischen Traumas: des Mordes am Urvater.2 Ausgehend von der Theorie, dass die Menschen ursprünglich in kleinen Gruppen zusammenlebten, nimmt er an, dass ihre Anführer teils sehr verehrt, teils sehr verhasst waren wegen der Art, wie sie ihre Macht ausübten. Sie sollen die andern Männer in ihrem Geschlechtsverkehr mit den zur Gruppe gehörigen Frauen verhindert und sich dabei der Misshandlung, der Vertreibung, der Kastrierung und des Mordes als Mittel bedient haben. Schliesslich sollen die Unterdrückten in Aufstand gekommen sein und ihren Führer getötet haben, wonach ein Streit um die Nachfolge ausbrach.
Der Mord hatte aber auch, wie Freud meint, heftige Schuldgefühle zum Gefolge, was die Täter davon zurückhielt, die neuerworbenen Freiheiten auszubeuten. Sie eigneten sich die zur Gruppe gehörigen Frauen nicht an, sondern führten im Gegenteil die Exogamie ein und sahen auch in anderer Hinsicht von der Befriedigung ihrer Triebe ab. Statt dessen verbanden sie sich und legten einander und sich selbst strenge Verpflichtungen auf. So soll der Totemismus entstanden sein. Die Mitglieder des Totems betrachten sich als Nachkommen eines gemeinsamen Stammvaters und sind den Totemgesetzen unterworfen, worunter das Verbot geschlechtlichen Verkehrs mit den zum Totem gehörigen Frauen fällt.