You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
In „Hemmung Sympton und Angst“ hat Freud den Stand des analytischen Wissens um die Ätiologie der Neurosen zusammengefasst und besonders die Bedeutung der Angst in diesem Zusammenhang klargestellt. Angst ist ein Affektzustand, der sich zunächst im „traumatischen Zustand“ automatisch einstellt. Später lernt das Ich diese Angst zur „Furcht“ („Angstsignal“) zu „bändigen“, und für seine Zwecke — als Einleitung von Abwehraktionen im Falle der Gefahr — zu verwenden. Unter besonderen Umständen bleiben alte „Angst-Bedingungen“ erhalten, Zustände von Triebspannung im eigenen Organismus werden als Gefahr empfunden, und es entstehen Konflikte zwischen den zur Abfuhr drängenden Trieben und dem ängstlichen Ich. Diese Konflikte sind die Basis der neurotischen Erscheinungen, die selbst teilweise als Folgen der Abwehraktionen des Ichs verständlich werden, zum grösseren Teil aber als Zeichen des Misslingens dieser Abwehraktionen, als Folgen eines Dennoch - Durchbruches des Triebes.
Rado nun hält den Umstand, dass die Angst in den Mittelpunkt der Neurosenlehre gerückt ist, für heuristisch entscheidend. Insofern die Angst eine Reaktion des Ichs auf eine Gefahr ist, hält er nun eine „egologische“, d.h. eine das Ich in den Mittelpunkt stellende Theorie der Neurosen für gerechtfertigt. In Gefahrsituationen entwickelt der Organismus ganz allgemein bestimmte „Notmassnahmen“, um die Gefahr zu meistern, zunächst den lähmenden Angstreflex, dann dessen „Bändigung“ zur zweckmässigen „Furcht“. Die Neurosen sind dadurch charakterisiert, dass solche „Bändigung“ nie ganz gelingt, und dass der grosse Angstanfall bis zu einem gewissen Grade die Antwort auf Gefahr bleibt. Unter dem Druck dieser Angst „beginnt das Ich, obwohl es objektiv in keiner Gefahr ist, zu kämpfen, sich zurückzuziehen, sich in den Verteidigungszustand zu setzen und sich neu anzupassen, indem es sich selbst in überflüssigen Notmassnahmen erschöpft.“
Die Neurose, meint Rado, besteht in einer Veränderung von Ich-Funktionen durch unzwec