You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
In einer ausserordentlich fesselnden Skizze schildert Zilboorg die schizoide, wenn nicht schizophrene, Persönlichkeit Marcel Proust's. Die Darstellung gipfelt in der Besprechung einer Novelle, die Proust im Jahre 1907 oder 1908 (einige Jahre nach dem Tode seiner Mutter) unter dem Titel „Sohnesgefühle eines Muttermörders“ schrieb. Darin finden die schweren Konflikte, die der „vollständige“ Ödipus-Komplex Proust während seines ganzen Lebens bereitet hatte, ergreifenden literarischen Ausdruck. Dieser Ausdruck ist so offen, unentstellt und dabei von so unmittelbarer Gefühlsfülle, dass Zilboorg meint, sagen zu müssen, auch Proust habe in seiner Weise — unbeeinflusst von Freud, den er nicht kannte — den Ödipus-Komplex „entdeckt“. Die Tatsache, dass Freud und Proust in nur wenigen Jahren Abstand eine so gewaltige Tatsache, die bis dahin der Menschheit verborgen gewesen war, in Worte fassen konnten, vergleicht Zilboorg anderen „Parallelentdeckungen“ in der Geschichte der Wissenschaften, z.B. der Entdeckung des Planeten Neptun durch Adams und Sevarier, und anderen Parallel-entwicklungen von Kunst- und allgemeinen Kulturrichtungen. — Aber haben in diesem Sinne nicht auch Sophokles, Shakespeare und andere grusse Dichter, die in ganz anderen Zeiten lebten als Freud, den Ödipus-Komplex entdeckt“?
O. Fenichel (Los Angeles)