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Die erste psychoanalytische Deutung der Kultur, als Ganzes betrachtet, hat Freud in „Totem und Tabu” gegeben. Nach der Ermordung des Urvaters haben sich die Söhne der Urhorde mit ihm identifiziert und eben die Dinge sich versagt, die er ihnen zu tun verboten hatte. So wurde der „nachträgliche Gehorsam“ der siegreichen Söhne zur Grundlage der Gesellschaft und der Kultur.1 Eine stillschweigende Voraussetzung dieser Theorie ist die Annahme eines kollektiven Unbewussten. Wenn wir uns diese Annahme zu eigen machen, so sind wir berechtigt, Gruppenhandlungen aufeinander folgender Generationen so zu deuten, als ob sie Tätigkeiten ein und desselben Individuums wären. Ist es wahrscheinlich, dass die Menschheit jemals in dem als „zyklopische Familie“2 bezeichneten Typus der Gesellschaftsordnung gelebt hat? Seit dem Erscheinen von „Totem und Tabu“ haben wir neue Bestätigungen erhalten, die das Leben der höheren Affenarten und der Menschenaffen betreffen, und wir wissen, dass das, was als „Dominanz-Typus“ der Gesellschaft beschrieben worden ist,3 sehr viel Ähnlichkeit mit dem Bilde aufweist, das uns von „Totem und Tabu“ her vertraut ist. Ferner finden wir in vielen Mythen primitiver Völker gewisse Züge, die stark für die „Urhorden“-Auffassung (zum Unterschied von der reinen „Ödipus“-Auffassung) sprechen.4
Wir sehen einen gewissen radikalen Kontrast zwischen den siegreichen Brüdern (Söhnen) und dem Vater; dieser kann als übernatürliches Wesen, als Tier oder als Dämon erscheinen; nur die jungen Helden der Geschichte sind menschlich im gewöhnlichen Sinne des Wortes. Freuds Annahme einer grundlegenden Verschiedenheit zwischen der psychologischen Haltung des Urvaters und der jungen Männer5 kann als Erklärung dafür dienen. In diesen Mythen finden wir einen einzelnen Menschen und nicht eine Gruppe, und wir sehen, dass er an den