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Die jüdische Geistesgeschichte kennt eine eigenartig-phantastische Figur. Sie unterscheidet sich von vielen anderen grossen Figuren aus der Vergangenheit durch die Tatsache, dass sie eine Erscheinung ist, die lediglich in der Vorstellung der Menschen gelebt hat und noch lebt. Sie ist eine Erscheinung der Vergangenheit und der Zukunft, bekannt und rätselvoll zugleich: Der Messias.
Der Versuch, dieses Rätsel zu lösen, diese Gestalt in ihren Erscheinungsformen zu beobachten und ihren Ursprung aufzudecken, ist ungemein verlockend.
Die Gestalt des Messias ist uns auch heute noch vertraut, wenn auch ziemlich vage und ohne feste Konturen. Am Sederabend öffnen die Juden ihre Türen für Elijahu hanawi, der, ursprünglich ein Vorläufer des Messias, in den Vorstellungen des Volkes zum Messias selbst geworden ist. Es gibt andere Spuren. Viele fromme Juden vermeiden jede Tat zur Befreiung ihres Volkes, weil der Messias ja noch für diese Tat erscheinen soll.
Es existiert eine sehr umfangreiche christliche Literatur über den Messias. Immer wieder, unermüdlich, haben sich die christlichen Theologen mit dem Messias beschäftigt und haben sich in die verschiedenen Bibelstellen vertieft, die ihn erwähnen oder ihn gemeint haben könnten, um dann hierin die Verkündigung von Christi Erscheinen zu finden. Für sie ist Christus der Messias; für sie hat alles, was es an messianischen Erscheinungen oder Erwartungen je gab, Erfüllung und Abschluss in seinem Erscheinen gefunden. Alles konzentriert sich in seiner Gestalt, in dem Mann, der sie von der Erbsünde und dem Schuldgefühl erlöst hat.
Es hat viele falsche Messiasse gegeben; ihr Auftreten hat nur dazu beigetragen, die Aufmerksamkeit auf die Kraft der messianischen Idee zu richten.
Übergrosse Not herrscht unter vielen Millionen Juden. Bei den meisten lebt tief verborgen eine Messiaserwartung, die natürlich differenziert ist nach Art und