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„Sorgen und Gemütsleiden“ heisst der Titel des vorliegenden Buches des norwegischen Psychiaters und Psychoanalytikers Braatóy. Ein Untertitel gibt an, dass das Buch eine populäre Einführung in die medizinische Psychologie und Psychiatrie geben will. Das Buch ist aus Vorlesungen entstanden, die der Verfasser für Krankenschwestern gehalten hatte, was auch dem Buch sein besonderes Gepräge gibt, insofern eben die Darstellung der Probleme durch die Interessen der Hörerschaft bestimmt ist. Es handelte sich in erster Reihe darum, die innere und äussere Situation des seelisch kranken Menschen in einer Weise verständlich zu machen, dass das Personal eines Krankenhauses in dem täglichen Umgang mit diesen Menschen sich zweckmässig verhalten kann. Es ist vielleicht kein Zufall, dass der Verfasser für eine Darstellung der Neurosen und Psychosen, wie auch mancher organischen Störungen des Nervensystems, gerade diesen Ausgangspunkt gewählt hat. Er versteht es ausgezeichnet, die Eigenart des seelisch Kranken, den Psychotiker mitinbegriffen, dem Leser verständlich zu machen und erfüllt damit die im Vorwort geäusserte Absicht, dass er in seinem Buch versuchen will, zwischen der vorwissenschaftlichen Menschenkenntnis und der psychiatrischen Fachwissenschaft eine Brücke zu schlagen. Mit dieser Absicht, und wohl auch mit der prinzipiellen Einstellung des Verfassers, hängt es ebenfalls zusammen, dass er der sozialen Situation der Kranken besondere Aufmerksamkeit zuwendet. Die grosse Lebensnähe, der man in der fachwissenschaftlichen Literatur selten begegnet, ist wohl der grosste Vorzug dieses Buches. Im ersten Band behandelt der Verfasser zunächst die „Nervosität“ im allgemeinen, das zweite Kapitel ist dem Problem der Charakterentwicklung gewidmet, und diesem folgt eine populäre Darstellung des Schizophrenieproblems.
Die Bezeichnung „nervös“ ist mehr eine Verlegenheitsdiagnose als eine klare nosologische Kategorie, im Gegensatz zu dem gut definierbaren Begriff der Neurose. Aber Braatóy de