You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Dem Symptom der Ratlosigkeit kommt in der Differentialdiagnose der Geistesstörungen eine „nicht unwesentliche“ Bedeutung zu. Deshalb versucht der Verfasser, die „schizophrene Ratlosigkeit“ von anderen Ratlosigkeiten abzugrenzen. (Bei manisch depressiven, symptomatischen, organischen Psychosen.) Das Symptom der Ratlosigkeit wird definiert als „das beklemmende Bewusstsein der Unfähigkeit, eine bestimmte innere oder äussere Situation zu bewältigen, wobei dieses Bewusstsein der Unfähigkeit als etwas Unerklärliches, das eigene Ich Angehendes erlebt wird.“ Der Verfasser empfiehlt, Ratlosigkeit von der Angst „streng zu trennen“, beide seien aber „innig verbunden“, sodass auf derselben Seite (66) bereits von „ratloser Angst“ gesprochen wird.
Eine gute Phänomenologie ist die Voraussetzung und der Beginn jeder verstehenden Analyse. Die Analyse erst wiederum gibt der Phänomenologie ihren Sinn, denn eine verständnislose Beschreibung ist sinnlos, ist weniger als Beschreibung, besitzt nur den Charakter einer Namensgebung. Deshalb kann der Beitrag des Verfassers nicht als Phänomenologie bezeichnet werden, sondern ist eine ratlose Sammlung von Ratlosigkeitszuständen, die sich von einander nur durch den Ort unterscheiden an dem sie aufge-funden worden sind.
M. Grotjahn (Chicago)