You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Kasanin versteht unter „Fehlidentifizierung“ („Misidentification“) die Verkennung eines Objektes als ein anderes — ein Phänomen, das bekanntlich bei Psychosen häufig vorkommt. Oft kann man es bei ansonsten völlig intakter Realiältsorientierung beobachten. Besonders häufig glauben Psychotiker in einem lebenden Menschen verstorbene Objekte wiederzuerkennen.
Dieses interessante Phänomen (das vielleicht besser anders bezeichnet werden sollte um nicht Anlass zu Verwechslungen mit dem Mechanismus der „Identifizierung“ zu geben) ist analytisch bisher noch nicht untersucht worden. Den Ausführungen Kasanins folgend, möchte Ref. die folgende Formulierung vorschlagen: Es handelt sich um das Phänomenderübertragung aufpsychischem Niveau. Während der übertragende Neurotiker nicht weiss, dass er in seinem Analytiker oder in anderen aktuellen Personen alte Objekte seiner Kindheit sieht, erlebt der Psychotiker, bei dem „das Unbewusste bewusst“ geworden ist, die aktuelle Person direkt als Kindheitsobjekt. Ein ausführlich geschilderter Fall stellt einen Spezialfall dar, dessen „Fehlidentifizierung“ wirklich nicht ohne Beachtung seiner „Identifizierungen“ diskutiert werden kann. Es handelt sich darum, dass in die verkannte aktuelle Person ein introjiziertes Objekt „rückprojiziert“ wurde: Die „Fehlidentifizierung“ diente der Entlastung von dem Druck, der von einem introjizierten Objekt ausging.
O. Fenichel (Los Angeles)