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In der Psychologie des Säuglingsalters ist der M o r o'sche Reflex seit etwa zwei Jahrzehnten bekannt. Annähernd in derselben Zeit bereicherten uns Tierbeobachtungen mit der Erkenntnis, dass die Säuglinge sämtlicher Affenarten — so auch die der Menschenaffen — die ersten Monate ihres Lebens am Fell der Mutter angeklammert verbringen.
Analytische Erfahrungen und direkte Kinderbeobachtungen überzeugten mich, dass es beim Menschen eine Erscheinungsgruppe gibt, welche mit den genannten Tatsachen in direkte Beziehung zu bringen ist. Nicht als ob der Mensch atavistisch Anklammerungs-Überreste zeigen würde: ich sehe in diesen Erscheinungen Abkömmlinge eines lebendig wirkenden Anklammerungstriebes.
Meinen ersten diesbezüglichen Ausführungen aus dem Jahre 19232 folgte in der Studie „Psychoanalyse und Logik“3 die Inbeziehungsetzung des gedanklichen Dualschrittes mit der Anklammerungssituation. Einige Zeilen daraus mögen als zusammenfassende Einleitung des Folgenden dienen: „Die allgemein menschliche Grundlage der Kastration verfolgend … wollen wir nicht, auf Grund einer gewissen Randbevorzugung, nur die Geburt zur Rechenschaft ziehen, sondern ebensosehr die ständige, nur zur Zeit des Saugens … aufgehobene gewaltsame Trennung des Kinderkörpers von der Mutter. Eine gewaltsame Trennung ist dies insofern, als nach der Belehrung durch die Phylogenese, der natürliche, ständige Ort des Säuglings monatelang am Körper der Mutter wäre; der menschliche Säugling ist auch so gebaut, dass er sich am müttlichen Körper recht wohl anklammern könnte. Das Anklammern selbst wäre die Funktion von zweimal zwei Organen (Händen und Füssen), von welchen ein Paar — die Füsse — bereits im ersten Lebensjahre sein Ersatzobjekt in der Mutter-Erde findet. Bei den primitiven Völkern besteht noch heute die Tendenz, das Kind möglichst den ganzen Tag lang und möglichst mehrere Jahre hindurch mittels Bändern, Kleidungsstücken usw. am mütterlichen Körper festzuhalten. Die Grundlage des Dua