You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Das vorliegende Buch ist der Niederschlag langjähriger Studien und Beobachtungen. Reik versucht den Masochismus als Ganzheit zu begreifen; deshalb bemüht er sich, Merkmale zu finden, die allen Äusserungsformen gemeinsam sind. Er beschreibt drei solcher Merkmale: den Anteil der Phantasie im masochistischen Geschehen, eine besondere Art des Erregungsablaufes, die er den Suspense-Faktor nennt, und den demonstrativen Zug.
In „Ein Kind wird geschlagen“ verfolgt Freud die verschiedenen Stadien der Triebentwicklung im Rahmen der Ödipus-Situation. und die Wandlungen der damit verknüpften Phantasie. Er meint, dass dieser Phantasiezyklus „möglicherweise einem Endausgang, nicht einem Anfangsstadium“ entspricht. Reik setzt die dort geäusserten Gedankengänge fort und gibt daran anknüpfend eine detaillierte Schilderung der Entstehung des Masochismus. In Übereinstimmung mit Freud sieht er den Ausgangspunkt in der sadistischen Phantasie. Der Sadismus des kleinen Kindes findet keine Befriedigung, weil der Träger dieser sadistischen Regungen schwach und hilflos ist, so dass die Umgebung sich leicht den unwillkommenen Triebäusserungen entziehen kann. Aus der Triebversagung entsteht die Notwendigkeit der Veränderung, das schwache Kind muss sich der starken Aussenwelt fügen. Die unbefriedigbare sadistische Regung kehrt sich gegen die eigene Person. Freud spricht in diesem Zusammenhang von einer Wandlung des aktiven Triebzieles in ein passives. Reik fasst den Vorgang etwas abweichend auf und nennt diese Situation den „ersten Umschlagsplatz“, die Verwandlung in „Autosadismus“ (p. 172); er spricht jetzt von einem „reflexiven Triebziel“. „Das Ich ist passiv und aktiv zugleich, es hat sich noch nicht entschieden, welche Rolle es eigentlich spielen soll und spielt deshalb beide zugleich“ (p. 173). Diese Phantasie-Situation stellt sich Reik als Übergangsstadium vor, „in diesem Zweirollenspiel gibt es noch keinen ausgesprochenen Masochismus“ (p. 175). Bei dieser Zwischenphase bleibt es selten; d