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In dieser Abhandlung sollen die Probleme der weiblichen sexuellen Reaktionen - Orgasmus und Frigidität - aus der Sicht der Physiologie und der Ich-Psychologie erörtert werden. Ich betone ausdrücklich Ich-Psychologie, um auf mein Unterlassen der üblichen Erörterung psychoanalytischer Begriffe der Persönlichkeitsentwicklung der Frau in Hinblick auf die Psychopathologie der Frigidität hinzuweisen. Orgasmus als eine Funktion und ein Erleben der Frau ist in der psychoanalytischen Literatur kaum beachtet worden. Es wird stillschweigend vorausgesetzt, daß eine normale Entwicklung Frauen zu vaginalem Orgasmus befähigt; dementsprechend wird Frigidität als das Resultat ungelöster seelischer Entwicklungskonflikte betrachtet1.
Die Achse der psychoanalytischen Theorie der Persönlichkeitsentwicklung ist der Begriff der Libido. Libido ist der psychische Repräsentant der integrierenden seelischen Energien. Wir können annehmen, daß die Struktur dieser Energien Unterschiede gemäß ihrer Funktion aufweist. Im allgemeinen Bereich der Persönlichkeitsbildung sind Entwicklungsablauf und Ziel der Reifung der Sexualität bei beiden Geschlechtern identisch. Der Begriff «Genitalprimat» bezieht sich auf eine Triebstruktur, die durch den heterosexuellen Koitus mit Orgasmus charakterisiert ist. Aber «sexuelle Reife» bedeutet mehr als physiologisches Funktionieren des «Genitalprimats». Es kennzeichnet die Stufe der Persönlichkeitsentwicklung, auf der das Individuum fähig ist, seine sexuellen Bedürfnisse in Übereinstimmung mit den Forderungen der Kultur, in der es aufgewachsen ist und in der es lebt, zu befriedigen. Im Hinblick auf die