You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Seit dem Buche von Anna Freud über das Ich und die Abwehrmechanismen hat die psychoanalytische Abwehrlehre keine systematische Darstellung gefunden, und Anna Freuds [11] Postulat einer hierarchisch und genetisch gegliederten Abwehrlehre ist noch nicht verwirklicht worden. Auch in der Anwendung der Begriffe herrscht große Konfusion, die, wie Madison [25] richtig betont, sich aus dem Nichtauseinanderhalten der theoretischen und der Beobachtungssprache ergibt. Es ist ein großer Unterschied, ob wir einen Abwehrmechanismus in der metapsychologischen Sprache umschreiben oder ob wir ihn in seinen beobachtbaren Erscheinungsweisen definieren. Wenn wir zum Beispiel die Verdrängung mit der Konzeption der Gegenbesetzung in Beziehung bringen, so postulieren wir eine direkt nicht beobachtbare Kraft, die wir der theoretischen Definition der Verdrängung zugrunde legen. Auf dem Niveau der Beobachtung äußert sich die Verdrängung in verschiedenen Erscheinungen: in Bewußtseinsalterationen, Amnesieerscheinungen, emotionalen Hemmungen, Ich-Einschränkungen und in den Widerständen im psychotherapeutischen Prozeß. Wenn wir daher einen Abwehrmechanismus zu beschreiben versuchen, müssen zur theoretischen, das heißt metapsychologischen Definition auch seine Erscheinungsweisen in der Sprache der Beobachtung gegeben werden. Neben dieser wissenschaftstheoretischen Schwierigkeit besteht die betrübliche und gewichtigere Tatsache, daß der genetische Gesichtspunkt mangels einer gründlich erforschten Genese der Ich-Struktur in der Abwehrlehre nur mangelhaft eingebaut worden ist.
J.lampl-de Groot hat diesen Zusammenhang in ihrer Arbeit «On defense and development» [24] unterstrichen: sie zeigt am Studium verschiedener Abwehrmechanismen, wie sich diese aus Ich-Funktionen aufbauen, die früher in der Ich-Entwicklung selbst eine wichtige Auf baufunktion innehatten.