You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Kunstwerk und künstlerische Produktivität nehmen einen eigentümlichen Platz zwischen Phantasie und äußerer Realität ein. Während ihre Wurzeln in unräumlichen und unbewußten psychischen Bereichen liegen, gehört das differenzierte Endprodukt, das fertige Werk, ebenso der äußeren als auch der inneren Realität an und wird deshalb im Englischen mit dem Wort «subject matter» bezeichnet (Balint [1]). Es gehorcht dann, unabhängig geworden, eigenen Gesetzlichkeiten. Flüchtige unräumliche seelische Inhalte sind in optische oder akustische Symbole umgesetzt und in neue bedeutungshaltige Strukturen integriert worden. Sie können so als «neue Realität» auf ein Publikum wirken.
Diese Umsetzung und Objektivierung subjektiver Gehalte in allgemeinverständliche bleibende Symbole hat immer wieder die Untersuchung der zugrundeliegenden und begleitenden seelischen Prozesse angeregt. Wurden dabei psychopathologische Phänomene mit in die Betrachtung einbezogen, konnte das Mißverständnis entstehen, als ob das Kunstwerk, seines Eigenwertes beraubt, lediglich als Studienobjekt und Endprodukt bestimmter krankhafter Vorgänge gesehen würde; ein Vorwurf, der zumeist ungerechtfertigt ist, da es sich um Untersuchungen der psychologischen Genese und nicht um eine Betrachtung und Wertung des abgeschlossenen Kunstwerkes handelt.
Auch in den folgenden Ausführungen wird nicht das Kunstwerk in seinem Eigenwert betrachtet, sondern gewisse psychologische Prozesse, die an seiner Entstehung beteiligt sind.
Werden nun aber innerhalb dieser psychologischen Fragestellung gewisse Künstlerbiographien betrachtet, drängt sich eine - wie auch immer geartete - Beziehung zwischen pathologischen Vorgängen und künstlerischer Produktivität auf. Psychosenahe Künstler, denen es gelang, ihre gesteigerte Sensibilität und ihre Offenheit gegenüber