You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Viele psychoanalytische Autoren, die sich mit «Sublimierung» beschäftigt haben, haben über die Unklarheit dieses Begriffs und die Schwierigkeiten seiner Anwendung Klage geführt. Freud hat der «Sublimierung» nicht dieselbe Aufmerksamkeit gewidmet wie anderen psychoanalytischen Konzepten (vgl. Levey [36]). In den «Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie» von 1905 ist an den beiden entscheidenden Stellen Sublimierung (im Sinne von Verschiebung auf andere Triebziele) von Reaktionsbildung nicht klar geschieden ([14; S. 53, S. 114]; vgl. auch [16]). In einer Anmerkung aus späterer Zeit sagt Freud dazu: «In dem hier besprochenen Falle geht die Sublimierung sexueller Triebkräfte auf dem Wege der Reaktionsbildung vor sich. Im allgemeinen darf man aber Sublimierung und Reaktionsbildung als zwei verschiedene Prozesse begrifflich voneinander scheiden. Es kann auch Sublimierungen durch andere und einfachere Mechanismen geben» [14; S. 53].
Später haben sich unter anderen Sterba, Glover, Reich und Fenichel [48, 25, 42, 7] um theoretische Präzisierung, insbesondere um die Abgrenzung von der Reaktionsbildung bemüht. 1939 sprach Levey von einem «cultural lag» der theoretischen Bemühungen um den Begriff [36]. Kubie setzte sich 1962 dafür ein, auf den Begriff in der Psychoanalyse ganz zu verzichten [35].
Freud hat die Theorie der Triebschicksale bzw. der Triebabwehrmechanismen, zu denen Sublimierung und Reaktionsbildung gehören, niemals systematisch entwickelt. Erst von seiner Tochter Anna stammt eine ausführlichere Behandlung dieses Teils der psychoanalytischen Theorie. Anna Freud stellt in ihrem Buch «Das Ich und die Abwehrmechanismen» den neun «gut bekannten und ausführlich