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Ein Psychoanalytiker, der sich einen Patienten vorzustellen versuchte, der niemals im Laufe seiner Analyse «depressiv» würde, müßte, meine ich, den Mut verlieren, ihn zu behandeln. Nicht nur-worauf Fenighel [1] hinwies - ist das Auftreten depressiver Stimmungslagen etwas bei dem Neurotiker zu Erwartendes; teilweise werden diese Patienten überhaupt erst dank dieser depressiven Verstimmungen dem therapeutischen Einfluß zugänglich (Winnicott [3]). Die schweren Störungen, derentwegen Patienten in psychoanalytische Behandlung kommen, und der psychoanalytische Prozeß selbst, der die narzißtischen Abwehrvorgänge herausfordert und erschüttert, machen es meiner Ansicht nach jedem, der noch in dem strengen analytischen Prozeß darinsteht, unmöglich, sein Optimum an Freisein von Depression (im beschriebenen Sinne) zu erreichen.
Der Ausdruck «Depression» wird allerdings, wie oft festgestellt worden ist, für ein ganzes Spektrum psychopathologischer Zustandsbilder verwendet, wie auch zur Beschreibung eines normalen affektiven Zustandes, der der Realität angemessen ist. Trotz aller Ungenauigkeiten im Gebrauch dieses Begriffes kann eine Gruppe neurotisch Kranker aufgezeigt werden, die akut und chronisch mit depressiven Verstimmungen reagieren und deren Kindheitsgeschichte durch Gefühlserlebnisse der Isolierung und Verlassenheit charakterisiert sind. Sie klagen über ihre Unfähigkeit, Befriedigung vom Leben