You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Ich verfolge mit dieser Arbeit drei Ziele, die untereinander in Wechselbeziehung stehen. Ich will 1. die Einwirkung der soziologischen Gedankenwelt auf die Psychoanalyse in historischer Perspektive besprechen; 2. die derzeitige Konfrontation beider Disziplinen sowie die Chancen ihres fruchtbaren Zusammenwirkens ins Auge fassen und 3. den Punkt Nr. 2 veranschaulichen, in dem ich mich auf meine eigene Forschung beziehe, weil dies der Bereich ist, mit dem ich am besten vertraut bin.
Zunächst will ich mit einigen allgemeinen Betrachtungen beginnen, die sich auf meine Zusammenarbeit mit Soziologen gründen. Diese Bemerkungen haben Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Psychoanalyse und Soziologie zum Gegenstand. Es ist leicht, die Unterschiede in den Methoden der Forschung, die für beide Disziplinen charakteristisch sind, zu erörtern; was ich jedoch im Sinn habe, ist ein sehr subtiler Unterschied in den Grundvoraussetzungen. Beide Wissenschaften beschäftigen sich offensichtüch mit Ursprung und Kontrolle menschlicher Verhaltensweisen. Aber die Psychoanalyse geht von der fundamentalen Annahme aus, wir wüßten bereits, wie die Menschen sich benehmen. Was wir nötig haben, sei, ausfindig zu machen, weshalb sie sich so verhalten. Die Sozialwissenschaftler andererseits gehen von der Annahme aus, wir wüßten nicht einmal, wie sich die Menschen verhalten. Es werde uns statt dessen ein Spektrum angeblicher Tatsachen über das Verhalten der Menschen präsentiert, vorgeblich das Produkt des «gesunden Menschenverstandes», der individuellen Erfahrung und der öffentlichen Meinung. Indessen, wir wissen gar nicht, wie viele Leute sich in der behaupteten, aber nicht bewiesenen Art und Weise verhalten, wer die Menschen sind, die sich angeblich so benehmen und ebensowenig, zu welchen gesellschaftlichen