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Die Einwirkungen der sozialen Bedingungen, der ökonomischen, politisch-historischen, geographischen, technischen Verhältnisse und Strömungen auf das Wesen der Person, auf Charakter, auf Abwehrhandlungen (nicht das Abwehrsystem als solches) sind eine Tatsache, mit der wir uns lange abgefunden haben. Nun haben Soziologen, Historiker, Völkerkundler ihrerseits versucht, mehr Licht auf die bisweilen undurchsichtigen Gewebe dieser operativen Kräfte zu werfen. Mag sein, daß Psychoanalytiker dabei behilflich sein können, obschon man sich dann und wann kaum des Eindrucks erwehren kann, daß unsere spezifischen Kenntnisse der psychologischen Voraussetzungen, des Triebhaushalts, des Trieblebens, kurz der ganzen Funktion des seelischen Apparats, den soziologischen Beobachter eher beängstigen als ihm hilfreich erscheinen, weil wir gewohnt sind, mehr als die bloße Oberfläche ins Auge zu fassen.
Als Freud seine ersten Studien an Kindern und Neurotikern machte, begann sich seine Aufmerksamkeit auf gewisse Rituale und religiöse Handlungen, auf soziale Einrichtungen und Vorschriften bei primitiven Völkern zu konzentrieren. Es ging darum, grundlegende Erscheinungen, die die Psychoanalyse nicht zuerst gesehen, aber zuerst verstanden hatte, besser und tiefer zu erfassen. Freud glaubte, daß «der Primitive ungehemmt ist, der Gedanke setzt sich ohne weiteres in Tat um, die Tat ist ihm sozusagen eher ein Ersatz des Gedankens.2»
Ungefähr zehn Jahre später fand Freud, daß wohl die psychische Anlage des Menschen als solche, abgesehen von den vorherrschenden soziokulturellen Bedingungen, beim Hochzivilisierten und beim Primitiven die nämliche sei3. Ich möchte mich hier mit einigen weiteren Problemen in der Entwicklung des Individuums befassen und vor allem einige metapsychologische Fragen vom soziokulturellen Standpunkt aus erörtern.