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Beziehungen zwischen Menschen setzen sich immer aus Übertragungen und Realität zusammen. Es gibt keine Situation, in der nicht beide, wenn auch in verschiedenem Maße, eine Rolle spielen.
August Aichhorn pflegte zu erzählen, wie er, als er erstmals vom Übertragungsphänomen hörte, sofort begriff, daß die aggressiven Patienten nicht wirklich ihn meinten. Er fügte hinzu, daß es schwieriger für ihn gewesen sei anzunehmen, daß die Patienten, die ihn bewunderten, auch nicht ihn, sondern Personen der Vergangenheit meinten. Freundlich lächelnd setzte er fort: «Eigentlich glaub' ich auch heute noch nicht, daß sie nicht mich meinen, wenn sie mich gerne haben.»
Nehmen wir als Beispiel für den wechselnden Anteil von Übertragung und Reaütät die Beziehung zu Autoritätspersonen. In einer gesunden Beziehung werden wir annehmen, daß der Beitrag der Vergangenheit (der Übertragung) relativ klein ist, und daß sowohl die Stellung der Autoritätsperson als auch deren gute Züge und menschlichen Schwächen klar gesehen werden. Wenn aber der Übertragungscharakter der Beziehung überwiegt, wird die Autoritätsperson entweder großartig und makellos gesehen oder als ein Koloß mit tönernen Füßen. Meistens schwankt der Patient zwischen diesen Tendenzen. Im allgemeinen sind übermäßig starke, unkontrollierte und inadäquate Gefühle auf Übertragungsreaktionen verdächtig. Aber es gibt hier auch Ausnahmen. Nichts, was der Analytiker real tut, wenn er sich einigermaßen lege artis verhält, ist ein berechtigter Anlaß zu übermäßig starken Gefühlsreaktionen des Analysanden.
Ein Individuum ist um so neurotischer, je größer der Anteil der infantilen Vergangenheit (der Übertragungen) in seiner gegenwärtigen Situation ist.
Übertragungserscheinungen sind unbewußt, irrational (d.h. der Realitätssituation, in der sie in Erscheinung treten, unangepaßi), ambivalent und hartnäckig.
Es ist für uns heute nicht mehr leicht nachzufühlen, wie auf unserem Gebiet zu einer Zeit gearbeitet wurde, in der man die Übertragung noch nicht