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Die Diagnostik und Therapie organischer Symptome und organischer Krankheiten hat in den letzten 50-100 Jahren eine beachtliche Ausbildung erfahren. Demgegenüber ist es um die Erkennung seelischer Störungen und Leiden sehr viel schlechter bestellt. Zwar sind deskriptive Psychopathologie und Nosologie zu hochentwickelten Klassifizierungsinstrumenten herangereift, aber, wenn es darum geht, genauere Zusammenhangsfragen im Bereiche psychischer Entwicklungen zu studieren, oder den Stellenwert von seelischen Ereignissen im Rahmen einer pathogenetischen Kette abzuschätzen, dann sind zwischen den «Experten» kaum je sichere Übereinstimmungen zu erzielen, was etwa nicht nur vor Gericht gar nicht so selten zur Abgabe divergierender Gutachten führt, sondern eine erhebliche Unsicherheit im Hinblick auf die Therapie hervorruft, die ja erst dann einen kausalen und gezielten Charakter anzunehmen imstande ist, wenn sie eine klare Diagnostik zur Grundlage hat. Solange das nicht der Fall ist, wird jede Psychotherapie ein von «privaten» Meinungen abhängiges Unternehmen sein, wird es keine Möglichkeit einer exakten Nachprüfbarkeit für unsere psychotherapeutischen Maßnahmen geben. Ein Grund für diese Unsicherheiten in der Divergenz der Meinungen hegt zweifellos in der Tatsache, daß man sich erstens oft nicht klarmacht, was heißt psychologisches Diagnostizieren überhaupt und was ergibt sich zweitens für eine Schlußfolgerung für die psychologische Behandlung aus der besonderen Art der Diagnostik und ihrem «Gegenstand».