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Als Anna Freud 1926 ihr erstes Buch über Kinderanalyse publizierte, postulierte sie einige wesentliche Unterschiede zur Erwachsenenanalyse, die ich hier kurz zitiere: Dem Kind fehlt «die Krankheitseinsicht, der freiwillige Entschluß und der Wille zur Heilung» (S. 9). Um diesen unerwünschten Zustand, zu dem noch das Fehlen der freien Assoziation hinzukommt, in einen erwünschten überzuleiten, empfiehlt Anna Freud «mit allen Mitteln, die dem Erwachsenen zur Verfügung stehen» das Kind zur Krankheitseinsicht zu bringen, d.h. es «analysierbar» zu machen. Das Kind soll in ein totales Abhängigkeitsverhältnis zum Analytiker geraten, indem man ihm auch u. a. ein Heilungsversprechen gibt. Als entscheidenden Unterschied sah Anna Freud damals auch das Fehlen der Übertragung, weil das Kind von den ursprünglichen Objekten, den Über-Ich-Repräsentanten, abhängig ist. Daher komme auch keine Übertragungsneurose zustande.
In ihrem neuen Buch sagt Anna Freud, daß sie auf Grund ihrer Erfahrungen diese Meinung geändert habe. Mit der Einführung der Widerstandsanalyse (Bornstein, 1949) lernten wir mehr als nur einzelne «Übertragungsreaktionen» zu erkennen und können heute, sofern wir uns über den Begriff einig sind, von «Übertragungsneurose» sprechen. Da ich der Ansicht bin, daß er in der Kinder- wie auch der Erwachsenenanalyse eher ungenau ist, verlangt er nach weiteren Präzisierungen. Ich habe mich entschlossen, dies zu versuchen und in diesem Zusammenhang Übertragung, Abwehr- und Widerstandstechnik in der Kinderanalyse näher zu umschreiben.
Der Begriff der Übertragungsneurose entspricht nicht ganz dem, was wir darunter in der Erwachsenenanalyse verstehen. Die Anwendung des Begriffes ist meines Erachtens richtig, wenn verdrängte Konflikte im Laufe der Analyse wiedererlebt, auf die Person des Analytikers übertragen und in der analytischen Situation durchgearbeitet werden. Die Benützung der Übertragung als solche ist, wie Anna Freud (1965) sagt, nicht eine therapeutische Maßnahme, sondern ei